Die Kommuolitik bestimmt die Lebensqualität, die Menschen mit zunehmendem Alter zur Verfügung steht.

von | Apr 23, 2020 | Stadtentwicklung | 1 Kommentar

Die Hälfte der Wahlberechtigten Bevölkerung ist älter als 58 Jahre. In Aachen kümmert sich unsere Partei um diesen Teil der Bevölkerung viel zu wenig bis gar nicht. Gerade durch die Kommunalpolitik wird aber die Lebensqualität entscheidend mit bestimmt, die Menschen im Alter zur Verfügung steht.
Die SPD in Aachen hat sich in der Vergangenheit um diesen Teil der Bürgerinnen und Bürger der Stadt viel zu wenig gekümmert. Das hat sich bis heute nicht geändert. Beispielsweise gibt es in Auflistung der Kategorien dieser Beteiligungsmöglichkeit für Genoss*innen zwar die Kategorie „Kinder, Jugend, Soziales“. Eine Kategorie Senior*innen fehlt ganz. Das zeigt deutlichst die negative Wertschätzung, die dieser Personengruppe durch unsere Partei entgegen gebracht wird. Als ältere Genossin empfinde ich das als eine ungeheuerliche Diskriminierung, als gezielte Ausgrenzung und als Provokation!

Die komplette Ausgrenzung dieser Personengruppe es wurde auch im Wahlkampf zum Städteregionsrat extrem negativ konnotiert. So hat Daniela Jansen als Kandidatin für die Position des Städteregionsrats einen bravourösen Wahlkampf hingelegt. Allerdings war ihr Programm fast ganz auf junge Menschen ausgelegt und mit ihnen abgestimmt. In der jungenBevölkerungsgruppe konnte Daniela viele Stimmen zugewinnen. Mindestens ebenso viele, wenn nicht sogar mehr Stimmen hat sie bei den älteren Bürgerinnen und Bürgern verloren. Peinlich war, dass sie in Einzelgesprächen ihre Wahlkampfs keine einzige kommunalpolitische Aussage machen konnte, die sich speziell auf ältere Menschen in der Städteregion Aachen bezog. Das haben ihr insbesondere ältere Frauen extrem übel genommen.

Aus dieser Erfahrung heraus ist ein Kandidat für das Amt des Oberbürgermeisters der Stadt Aachen klug beraten, wenn er kommunalpolitische Antworten geben kann, die sich auf die Lebenssituation ältere Menschen in unserer Stadt beziehen.

Bürgerinnen und Bürger 60+
– wollen uneingeschränkte Teilhabe am gesellschaftlichen Leben!
– wollen als gesellschaftliche Gruppe wahrgenommen, gehört werden und ihr unmittelbares Lebensumfeld selbst gestalten und mitbestimmen.
– so lange wie möglich selbstbestimmt leben, ohne auf Unterstützung Dritter angewiesen zu sein!
– uneingeschränkten Zugang zu allen innovativen Techniken und Gestaltungsmöglichkeiten zur eigenen Daseinsvorsorge
– mit Respekt vor der erbrachten Lebensleistung behandelt werden.



Daraus ergibt sich ein konkretes Handlungsfeld für die Kommunalpolitik.

Bürgerinnen und Bürger 60+ fordern:
– Eine Online-Akademie, die den Zugang zu allen sozialen Medien und allen Online-Gestaltungsmöglichkeiten des täglichen Lebens nach Vorkenntnissen differenziert so vermittelt, dass auch ältere Menschen alle modernen digitalen Möglichkeiten Barriere frei nutzen können. Dazu muss zwingend ein Verbund unterschiedlicher Träger ins Leben gerufen werden. Die Volkshochschule allein hat sich in der Vergangenheit als nicht ausreichend erwiesen, sondern muss zum Beispiel mit dem Aachener Zeitung Verlag und der RWTH ein gemeinsames trägerübergreifendes Konzept erstellen und ausreichend in den Medien bewerben, die überwiegend von älteren Menschen genutzt werden.
– ein Angebot bezahlter Dienstleistungen, die ein selbstbestimmtes Leben in der Stadt Aachen unterstützen können. Dazu gehören zum Beispiel aufsuchende Pflegeangebote in häuslicher Umgebung für Haut, Haare und Nägel.
– eine Online-Plattform, die einen Überblick über Versorgungs-Möglichkeiten mit gekochten Mahlzeiten gibt, die ins Haus geliefert werden können. Essen auf Rädern ist eine wichtige Versorgungsmöglichkeit für wenig mobile ältere Menschen. Dieses Angebot muss weiter ausgebaut und ergänzt werden durch Lieferdienste aller unterschiedlicher Menü-Ausrichtungen. Dazu zählen Schnellrestaurants, Ethnic Food und die klassische bürgerliche Küche ebenso, wie die Sterne-Restaurants. Die Kommunalpolitik sollte die Dachverbände beziehungsweise die Industrie- und Handelskammer anstoßen, eine Plattform ins Leben zu rufen, auf der alle Möglichkeiten der Versorgung mit gekochten Mahlzeiten in der Stadt Aachen Barriere frei abgerufen werden können.
– Ein zuverlässiger Lieferdienst nach Hause für alle vor Ort in der Aachener City eingekauften Waren. Die hügelige Lage der Innenstadt ist für eine Reihe älterer Menschen sehr beschwerlich. Schwere Einkaufstaschen zu tragen ist fast unmöglich. Deshalb sollte ein Fahrrad-Kurier-Dienst aufgebaut werden, mit dem eingekaufte Waren gegen Entgelt nach Hause gebracht werden können. Durch diese Maßnahme wird auch die Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel zum Einkauf in der Innenstadt gefördert.
– Unterstützung des flächendeckenden Ausbaus von ärztlichen und nichtärztlichen Video- oder Online-Sprechstunden im Rahmen eines kommunalpolitischen Modellprojekts.

Um diese Forderungen auf Stadtebene auch innerparteilich ab zu sichern, wäre eine komplette Neustrukturierung der AG 60+ von Vorteil. Diese tritt in der Öffentlichkeit viel zu wenig in Erscheinung. Und wenn sie in Erscheinung tritt, dann vermittelt sie oft den Eindruck einer Versorgungsinstitution für verdiente Kommunalpolitiker*innen. Diese kommunizieren überwiegendes Bild, dass sie diese „ihre“ Arbeitsgemeinschaft brauchen, um auch mit eigenem fortschreitendem Alter immer noch ihre Parteikarriere fortsetzen zu können. Dadurch scheint die Kluft zwischen Parteipolitik und der Lebenswirklichkeit der Bürgerinnen und Bürger 60+ immer größer zu werden. Das trägt nicht gerade dazu bei die SPD für ältere Wählerinnen und Wähler attraktiv erscheinen zu lassen.

1 Kommentar

  1. Liebe Elisabeth,

    vielen Dank für Deinen sehr ausführlichen Beitrag, der viele wichtige Aspekte anspricht.
    Natürlich müssen wir auch die älteren Aachenerinnen und Aachener und ihre Bedürfnisse ansprechen. Sowohl persönlich als auch programmatisch. Sowie wir es immer gemacht haben – und vielleicht auch darüber hinaus.

    Aber ich finde es falsch, ein angebliches Versäumnis an einzelnen Personen festzumachen.

    Wie Du bereits gesagt hast, hat Daniela einen bravourösen Wahlkampf hingelegt, der viele Menschen positiv angesprochen hat. Wenn es uns nicht gelungen ist, alle anzusprechen oder sich eine Personengruppe nicht von uns angesprochen gefühlt haben sollte, hat das – wenn überhaupt – an unserer Gesamtstrategie und -kampagne gelegen. Ich habe Daniela nicht als peinlich wahrgenommen. Ich habe auch nicht die Erfahrung gemacht, dass sie sich zu einem Thema nicht äußern konnte oder sich ganze Wähler*innengruppen von ihr abgewandt haben.

    Vielleicht hast Du einen anderen Eindruck, aber ich finde die Programmwerkstatt die absolut falsche Plattform, um so hart und namentlich über einzelne Personen zu urteilen, die sich seit Jahren für unsere Partei engagieren und viele wichtige Impulse gesetzt haben.

    Viele Grüße
    Ye-One