Inklusive Gesellschaft als Konzept für ein Zusammenleben von Bürgerinnen und Bürgern in Aachen

von | Mai 16, 2020 | Arbeit, Digitales & Wirtschaft

Das fortschreitende Lebensalter bezeichnen wir der Einfachheit halber meistens pauschal mit „Alter“. In unserer Lebenswelt wird diese Zeit im Leben eines Menschen immer weniger als natürlicher, eigenständiger Lebensabschnitt angesehen. Für die Lebensabschnitte Kindheit, Jugend und das Erwachsenenalter ist das ganz selbstverständlich – nicht so für das Alter!
Die nachlassenden Fähigkeiten und Kräfte der Menschen in ihrem dritten und vierten Lebensabschnitt, wie wir das fortgeschrittene Lebensalter auch bezeichnen, werden durch unsere Gesellschaft viel zu schnell und oft voreilig als behandlungsbedürftige Krankheiten eingestuft. Der altersbedingte Rückgang fast aller Funktionen des menschlichen Körpers trifft jeden von uns und gehört zum normalen Verlauf des menschlichen Lebens genauso dazu, wie die noch nicht voll ausgebildeten Fähigkeiten von Kindern und Jugendlichen. Diese Erkenntnis wird von den Betroffenen selbst aber auch in großen Teilen des gesellschaftlichen Lebens durch das vorherrschende Jugendlichkeitsideal verdrängt. Senioreninnen und Senioren werden daher oft durch ihre stetig fortschreitenden altersbedingten Einschränkungen von der Teilhabe am gesellschaftlichen Leben mehr und mehr ausgeschlossen – oder mit anderen Worten exkludiert.
Als „Inklusive Gesellschaft“ bezeichnet man das Konzept für ein Zusammenleben von Bürgerinnen und Bürgern, in der jeder Mensch so akzeptiert wird wie er ist. Jeder Mann und jede Frau kann an den Angeboten und Möglichkeiten einer inklusiven Gesellschaft gleichberechtigt und selbstbestimmt teilhaben, unabhängig von Geschlecht, von Alter oder Herkunft, unabhängig von individuellen Merkmalen und Besonderheiten, unabhängig von Religionszugehörigkeit oder Bildung, unabhängig von altersbedingten Einschränkungen und unabhängig von eventuellen Behinderungen.
„Inklusion“ wurde im letzten Jahrzehnt insbesondere durch die UN-Behindertenrechts-Konvention zum Leitbegriff für die Gleichstellung von Menschen mit Behinderung. Der Begriff „Inklusion“ war auch in der Bildungsdebatte präsent. Durch die Zuspitzung auf Menschen mit besonderen Bedürfnissen wurde deutlich, dass Inklusion nicht bedeuten kann, dass die Individuen an gegebene gesellschaftliche Verhältnisse angepasst werden. Vielmehr sind die gesellschaftlichen Verhältnisse so aus zu gestalten, dass sie den unterschiedlichen Bedürfnissen der Menschen Rechnung tragen. Inklusion darf daher nicht nur auf Schule und auf Menschen mit Behinderungen begrenzt bleiben, sondern muss auch die Menschen in der dritten und vierten Lebensphase einschließen.
Eine inklusive Gesellschaft, die auch die Menschen im fortgeschrittenen Lebensalter einschließt, wird von den Alternden selbst leider viel zu wenig und viel zu leise eingefordert. Unsere gegenwärtigen Strukturen aber auch die politischen Entscheider sind auch dadurch auf einen inklusiven Umgang mit dem fortschreitenden Lebensalter viel zu wenig vorbereitet. Politische Konzepte, die über eine reine soziale Absicherung hinausgehen, sind Mangelware. Eine existenzsichernde Alterssicherung, die von der Politik oft als ihr einziges Argument für den Umgang mit Menschen im fortgeschrittenen Lebensalter vorgebracht wird, ist allerdings die wesentliche, unverzichtbare Voraussetzung, die soziale Teilhabe Älter überhaupt erst ermöglicht. Wenn eine inklusive Gesellschaft gelingen soll, dann müssen von der Politik vor Ort für Menschen im fortgeschrittenen Lebensalter viel mehr konkrete inklusionsfördernde Maßnahmen entwickelt, unterstützt und insbesondere zügig umgesetzt werden. Anders ausgedrückt, die Kommunalpolitik hat die Aufgabe Menschen darin zu unterstützen, dass diese ihrem Alltag allein bewältigen können und sie damit so lange wie möglich in ihrer vertrauten Umgebung leben können.
Die gesamtgesellschaftliche Aufgabe ist es dafür Sorge zu tragen, dass ältere Mitbürgerbürgerinnen und Mitbürgerbürger nicht länger zum Opfer des heute vorherrschenden Jungendkults werden. Wir alle müssen umdenken! Wir dürfen das Zusammenleben mit vielen älteren Menschen nicht als Vergreisung der Gesellschaft beklagen. Wir müssen wieder lernen, Menschen in diesem Lebensabschnitt positiv zu bejahen. Ein wichtiges Ziel ist es damit, älteren Menschen eine Teilhabe am gesellschaftlichen Leben so zu ermöglichen, wie es ihren Fähigkeiten entspricht.
Aber nicht nur die Politik alleine ist gefragt. Im Quartier flankiert Bürgerschaftliches Engagement die kommunalpolitischen Maßnahmen. Bürgerinnen und Bürger vor Ort bestimmen mit, ob eine Inklusive Gesellschaft in ihrem eigenen Stadtteil gelingen kann. In der täglich gelebten Praxis zeigt sich am allerbesten, wie sehr eine inklusive Gesellschaft mit einem hohen persönlichen Engagement verbunden ist.
Konkrete Umsetzung
• Digitaler Zugang zu allen Parteiveranstaltungen
• Digitaler Zugang zu allen öffentlichen Teilen der Kommunalparlamente
(Rat, Städteregion, Bezirksvertretung)
• Ortsvereinsveranstaltungen als Video-Schalte
• Sofortige Wiederöffnung der VHS im Video-Betrieb vergleichbar der RWTH
• Gezielte Schulungen aller gängiger Sozialer Medien durch die FES
(Beispiel „Social Media #Thursdate“ der Reinhold-Maier-Stiftung, 70176 Stuttgart)

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